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Letzte Änderung: 01.10.2012

Ortsschild

3. Oktober 2012


Es ist jetzt weit nach Mitternacht. Ich kann immer noch keine Nacht ruhig durchschlafen. Eben habe ich wieder gemeint Geräusche zu hören, bin schweißgebadet zur Wohnungstür geschlichen, und habe so leise wie möglich das Schloss kontrolliert. Danach alle Zimmer. Sieben mal. An Schlaf ist jetzt nicht mehr zu denken, dann kann ich wenigstens versuchen mich abzulenken.

Wer ich bin darf ich nicht verraten. Verzeiht mir das bitte. Es ist eine Vorsichtsmaßnahme. Obwohl ich nicht glaube, dass sie mich hier finden, im... Internet.

In Woipating hat niemand Internet. Ja, das gibt es, einen Fleck auf dieser Erde ohne Internet! Gehört haben wir bei uns natürlich schon davon, aber es funktionierte nicht. Viele Dinge funktionieren dort nicht, oder jedenfalls nicht richtig. Brauchen tut es dort ohnehin niemand. Woipating hat ganz andere Sorgen. Echte Sorgen.

Vor allem jetzt, wo es bald wieder so weit ist. Darum mußte ich weg. Weit weg. Dahin, wo mich niemand erkennt, wo ich ein niemand bin. Erst hier in München fing ich an mich sicher zu fühlen, unter über einer Million Fremder, als Gesicht in der Masse. In Woipating haben nie mehr als 30, 40 Leute gewohnt. Wenn man von wohnen reden kann.

Woipating ist ein kleines Dort, tief im Bayrischen Wald, es liegt vergessen in einer Talsenke, eingeklemmt zwischen den Landkreisen Regen und Freyung-Grafenau. Haben will Woipating keiner von ihnen. Die Straße dorthin ist seit 70 Jahren nicht geflickt worden. Also seit man sie ursprünglich mal gemacht hat. Wozu auch? Es gibt ja die Umgehungsstraße, und aus unserem Dorf kommt nichts, was man andernorts braucht, deswegen interessiert sich niemand für Woipating. Es ist eher so, dass bei uns Dinge verschwinden. Selbst die Nachbarortschaften wollen lieber nicht einmal den Namen des Dorfes in den Mund nehmen, als würde es Unglück bringen, oder Pech anziehen allein davon zu sprechen!

Vielmehr ist es Pech, wenn man dort aufwächst. Warum dann nicht alle längst weggezogen sind? Es gibt eben Dinge, die einen mit dem Ort verbinden aus dem man kommt. Oder aus dem man nicht weg kommt. Seine Heimat kann man sich nicht aussuchen. Genauso wenig wie seine Eltern, seine Kinder... für seine Kinder tut man dort alles. Das ist mein Ernst. Ja, vielleicht sagt das jeder, aber dort ist es nicht so dahin gesagt, sondern wahr. Wirklich wahr.

Warum ich weg gezogen bin? Das... erzähle ich ein andermal. Mir würde eh niemand glauben, erst muß ich euch nach und nach mehr erzählen, wenn sie mich nicht doch noch finden. Und wenn ich den Mut dazu aufbringe. Aber jetzt muß ich noch einmal nachsehen, ob die Wohnungstür auch wirklich verriegelt und verrammelt ist. Alte Gewohnheiten lassen sich eben schwer abschütteln, wenn überhaupt ablegen. Hinlegen. Schlafen. Schlaf…

28. Oktober 2013


Allein auf dem Ozean treiben, die Sterne über mir, das schwärzere Dunkel unter einem - was manchen ein Bild aus Alpträumen ist, schenkt mir endlich Frieden. Ein riesiger Fisch, der aus der Tiefe aufsteigt, mich packt und nach unten zerrt... geschenkt. Selbst wenn, das ist doch gleich vorbei! Man ertrinkt, wird gefressen, oder der Druck lässt einen die Adern platzen, wenn es die Luft im Blut nach oben zieht, zurück zur Oberfläche. Das ist doch gleich vorbei. Es gibt Schlimmeres als den Tod. Und das ist nicht im Wasser, sondern auf Erden. Unter der Erde, um genau zu sein. Selten darüber.

Wenn sich die Erde unter einem auftut, einen verschluckt; das macht einen wahnsinnig. Lebendig begraben, aber ohne einen Sarg, der einen schützt. Die Spalte tut sich auf, man fällt, ersäuft aber nicht, sondern schluckt Erde und hustet, dass man keine Luft mehr bekommt, verliert die Besinnung, bis etwas einem am Bein nagt, man kann sich kaum rühren, stürzt tiefer, es wird heißer, man schürft sich auf, das eigene Blut verkrustet in der Erde, die es aufsaugt. Plötzliche Hitze lässt dir Schweiß ausbrechen, die Umgebung ist modrig, Getier überall, mit Zähnen, die Härteres gewohnt sind, als deine Knochen, und selbst die sind nur Futter für die großen Wesen der Tiefe.

Davor fürchtet man sich bei uns, im Wald. Vor dem, was dort unter der Erde schwimmt. Hier in der Stadt glaubt man nicht an so etwas. Das ist gut so. Das schützt uns. Aber gehen sie einmal tief in die Wälder - dann fangen auch sie an Dinge zu glauben und zu sehen, von der sie in der Stadt nie zu träumen wagten. Hier sind wir noch sicher, unter den Vielen, vergesst die Wälder, und denkt an das Meer. Nicht zurück in die Natur, baut Städte, am besten solche, die auf dem Meer schwimmen, dahin sollten wir zurück. Denn im Wald nützt es euch nichts, wenn ihr Schwimmen könnt. Gar nichts.
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Foto CC by: Henry Herkula